„Wer soll denn uns hacken?“
Niemand. Zumindest niemand persönlich. Das ist das Missverständnis.
Es sitzt keiner vor dem Bildschirm und sucht sich Ihre Tischlerei aus. Es laufen Programme, die rund um die Uhr Millionen von Websites abklopfen. Die suchen nach einer bestimmten veralteten Version eines bestimmten Systems. Wenn Ihre Seite die hat, ist sie dran. Ob Sie ein Konzern sind oder ein Einzelunternehmen, ist dem Programm egal.
Und was passiert dann? Meistens nix Spektakuläres. Die Seite verschickt Spam, leitet Besucher auf dubiose Seiten um oder zeigt Werbung für Dinge, die Sie nicht verkaufen. Oft merkt man es erst, wenn Google die Seite mit einer Warnung versieht. Dann sind die Besucher weg.
Sechs Maßnahmen, die fast alles abdecken
| Maßnahme | Wovor sie schützt | Wie oft |
|---|---|---|
| SSL-Verschlüsselung | Mitlesen von Formulardaten, Warnung im Browser | Einmal einrichten, läuft dann automatisch |
| Updates | Bekannte Lücken in System und Erweiterungen | Laufend, sobald sie erscheinen |
| Backups | Datenverlust durch Angriff oder eigenen Fehler | Regelmäßig und automatisch |
| Starke Passwörter und zweiter Faktor | Übernahme des Zugangs | Einmal einrichten |
| Wenige Erweiterungen | Lücken in Programmen, die Sie gar nicht brauchen | Einmal im Jahr ausmisten |
| Überwachung | Dass ein Ausfall oder Angriff tagelang unbemerkt bleibt | Laufend |
| Website-Abo von Web Focus | SSL, Wartung und Sicherheitsupdates in jedem Tarif | ab 190 € pro Monat |
SSL: das Schloss in der Adresszeile
SSL, genauer gesagt TLS, verschlüsselt die Verbindung zwischen dem Besucher und Ihrer Website. Sie erkennen es am „https“ am Anfang der Adresse.
Ohne: Der Browser zeigt „Nicht sicher“ an. Das sieht jeder Besucher, und viele gehen dann wieder.
Mit: Was ins Kontaktformular getippt wird, kann unterwegs niemand mitlesen.
Für Google: HTTPS gehört zu den Dingen, die Google bei der Nutzerfreundlichkeit einer Seite berücksichtigt.
Ein Zertifikat ist heute bei jedem ordentlichen Hosting dabei. Wenn Ihre Seite 2026 noch ohne läuft, ist das der erste Punkt auf der Liste. Was die DSGVO zur Verschlüsselung bei Formularen sagt, steht im Artikel Kontaktformular und DSGVO.
Updates: der Punkt, an dem es scheitert
Die meisten Websites laufen auf einem System, das aus vielen Teilen besteht. Das Grundsystem, eine Gestaltungsvorlage und ein Dutzend Erweiterungen. Jeder dieser Teile bekommt Updates. Viele davon schließen Sicherheitslücken.
Das Problem: Sobald ein Update erscheint, ist die Lücke öffentlich bekannt. Wer nicht aktualisiert, hat dann eine Tür offen, von der jeder weiß.
Updates zeitnah einspielen, nicht einmal im Jahr.
Vorher ein Backup machen. Manchmal verträgt sich ein Update nicht mit einer Erweiterung.
Danach prüfen, ob Formular und wichtige Seiten noch funktionieren.
Ausmisten: Jede Erweiterung, die Sie nicht brauchen, ist eine mögliche Lücke weniger.
Das ist keine Raketenwissenschaft. Es ist nur lästig, und deshalb bleibt es liegen.
Backups: nur gut, wenn man sie zurückspielen kann
Ein Backup ist eine Kopie der ganzen Website: Dateien und Datenbank. Wenn etwas passiert, spielt man den Stand von gestern zurück und ist wieder online.
Automatisch: Ein Backup, an das jemand denken muss, wird irgendwann vergessen.
An einem zweiten Ort: Liegt die Sicherung am selben Server wie die Website, ist sie im Ernstfall mit weg.
Mehrere Stände: Manchmal bemerkt man einen Angriff erst nach zwei Wochen. Dann brauchen Sie einen Stand von davor.
Getestet: Fragen Sie Ihren Anbieter, wann das Zurückspielen zuletzt probiert wurde.
Der Zugang: das schwächste Glied ist oft das Passwort
Die beste Technik hilft nix, wenn das Passwort „Tischlerei2019“ lautet.
Lange, einmalige Passwörter, am besten aus einem Passwort-Manager.
Zweiter Faktor, wo es angeboten wird: ein Code am Handy zusätzlich zum Passwort.
Eigene Zugänge für jede Person, nicht ein gemeinsamer Zugang für alle.
Zugänge löschen, wenn jemand den Betrieb verlässt oder die Agentur wechselt.
Fünf Fragen an Ihren Anbieter
Wer spielt Updates ein, und wie schnell?
Wo liegen die Backups, und wie viele Stände gibt es?
Wer merkt es, wenn die Seite ausfällt oder verändert wurde?
Was passiert im Ernstfall, und was kostet es?
Wer hat welche Zugänge?
Welche Posten dafür laufend anfallen, steht im Artikel Was kostet Website-Wartung und Hosting?. Und ob bei Ihrer Seite die Grundlagen stimmen, können Sie mit dem Artikel Website-Check: 25 Punkte selbst prüfen.
„Bei uns gibt es eh nix zu holen“
Doch: Ihren guten Namen bei Google und das Vertrauen Ihrer Kunden. Eine gehackte Seite wird nicht ausgeraubt, sie wird benutzt. Und wenn im Browser eine rote Warnseite kommt, ruft der Kunde beim Mitbewerber an.
Das Aufräumen danach kostet mehr als ein paar Jahre Wartung. Das ist keine Angstmache, das ist einfach die Rechnung.
Quellen
- Google Search Central: Nutzerfreundlichkeit von Seiten bei Google, abgerufen am 7. Oktober 2026
- Datenschutz-Grundverordnung, Verordnung (EU) 2016/679, Art. 32 (Sicherheit der Verarbeitung), abgerufen am 7. Oktober 2026
- Leistungsumfang und Preise von Web Focus: Stand Oktober 2026, siehe Hosting & Wartung