Zu viele Zahlen, zu wenig Antworten
Wer Google Analytics zum ersten Mal aufmacht, macht es meistens gleich wieder zu. Hunderte Berichte, Diagramme, Fachbegriffe. Und irgendwo dazwischen die eine Antwort, die man eigentlich wollte: Bringt mir meine Website was?
Die gute Nachricht: Für einen kleinen Betrieb reichen fünf Zahlen. Den Rest können Sie liegen lassen. Wirklich.
Die fünf Zahlen
| Zahl | Was sie sagt | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Nutzer | Wie viele Menschen auf der Website waren | Die Entwicklung über Monate, nicht den einzelnen Tag |
| Herkunft (Akquisition) | Woher sie kamen: Suche, Anzeigen, direkt, Verweise | Welcher Kanal wächst, welcher bringt Anfragen |
| Interaktionsrate | Anteil der Sitzungen, in denen wirklich etwas passiert ist | Seiten mit auffallend niedrigem Wert |
| Seiten und Bildschirme | Welche Seiten am häufigsten aufgerufen werden | Ob die wichtigen Seiten überhaupt gefunden werden |
| Schlüsselereignisse | Wie oft das passiert ist, was Sie wollen: Formular, Anruf | Die einzige Zahl, die mit Umsatz zu tun hat |
| web-focus.at | Gemessen wird nur nach Einwilligung | Formularschritte, Anfragen und Klicks auf Telefon und E-Mail |
Nutzer und Herkunft
Die Zahl der Nutzer allein sagt wenig. 800 Besucher im Monat können viel sein oder wenig. Interessant wird es im Vergleich: Sind es mehr als vor einem halben Jahr?
Wichtiger ist, woher die Leute kommen. Analytics teilt das in Kanäle ein.
Organische Suche: Jemand hat gegoogelt und auf ein normales Ergebnis geklickt. Das ist der Lohn für Ihre SEO-Arbeit.
Bezahlte Suche: Klicks auf Ihre Google-Anzeigen.
Direkt: Jemand hat Ihre Adresse eingetippt oder ein Lesezeichen verwendet. Das sind oft Stammkunden.
Verweise: Jemand kam über einen Link von einer anderen Website.
Wenn fast alle Besucher „direkt“ kommen, kennen Sie die Leute schon. Dann findet Sie über Google kaum jemand Neuer. Warum das so sein kann, zeigt Ihnen die Google Search Console genauer als Analytics.
Interaktionsrate statt Absprungrate
Früher hat jeder auf die Absprungrate geschaut. In der aktuellen Version von Analytics steht die Interaktionsrate im Vordergrund. Die beiden gehören zusammen: Die Absprungrate ist einfach der Rest auf hundert Prozent.
Google zählt eine Sitzung als Sitzung mit Interaktion, wenn eines von drei Dingen zutrifft:
Sie dauert länger als zehn Sekunden.
Sie enthält ein Schlüsselereignis.
Sie umfasst mindestens zwei Seitenaufrufe.
Was ist ein guter Wert? Das hängt von der Seite ab. Wer nur die Telefonnummer sucht, ist nach acht Sekunden wieder weg und trotzdem zufrieden. Vergleichen Sie deshalb Ihre Seiten untereinander. Wenn eine deutlich abfällt, schauen Sie sich die an.
Schlüsselereignisse: die wichtigste Zahl
Besucher sind schön. Anfragen sind besser. Ein Schlüsselereignis ist das, was Sie als Erfolg festlegen. Früher hieß das in Analytics „Conversion“.
Formular abgeschickt
Auf die Telefonnummer getippt
Auf die E-Mail-Adresse geklickt
Termin gebucht
Das muss einmal eingerichtet werden. Von selbst weiß Analytics nicht, was für Sie wichtig ist. Aber wenn es einmal läuft, sehen Sie, welcher Kanal und welche Seite Anfragen bringt. Das ist der Moment, in dem die Zahlen nützlich werden.
Auf unserer eigenen Website messen wir zum Beispiel, wann jemand das Anfrageformular beginnt, welchen Schritt er erreicht und ob er es abschickt. Die Inhalte der Felder messen wir nie. Wie die Kontaktseite aufgebaut sein muss, damit die Zahl steigt, steht im Artikel Mehr Anfragen über die Website.
Warum Ihre Zahlen zu niedrig sind
Das ist der Punkt, den viele nicht wissen. Google Analytics setzt Cookies und darf in Österreich erst laufen, wenn der Besucher eingewilligt hat. Wer im Banner „Nur notwendige“ wählt, wird nicht gezählt.
Ihre Zahlen zeigen also nur einen Teil der Besucher. Wie groß dieser Teil ist, lässt sich nicht genau sagen. Das ist kein Fehler, sondern der Preis für eine saubere Lösung. Auf web-focus.at wird Analytics ohne Einwilligung gar nicht erst geladen.
Was heißt das für die Praxis?
Auf Entwicklungen schauen, nicht auf absolute Zahlen. Ob es mehr oder weniger wird, sehen Sie trotzdem.
Mit der Wirklichkeit abgleichen: Wie viele Anfragen sind tatsächlich im Postfach gelandet? Diese Zahl stimmt immer.
Die Search Console dazunehmen: Die zählt Klicks aus der Google Suche ohne Cookies.
Mehr zum Banner steht im Artikel Cookie-Banner für die Website.
Zehn Minuten im Monat
Nutzer: mehr oder weniger als im Vormonat und im Vorjahr?
Herkunft: Welcher Kanal hat sich verändert?
Seiten: Stehen die wichtigen Leistungen unter den ersten zehn?
Schlüsselereignisse: Wie viele Anfragen, und woher?
Eine Sache ändern: Nehmen Sie sich pro Monat eine Seite vor. Nicht fünf.
Wer Anzeigen schaltet, schaut zusätzlich, ob die bezahlten Klicks zu Anfragen werden. Sonst passiert, was ich im Artikel über typische Fehler bei Google Ads beschrieben hab.
„Ich hab keine Zeit für Statistiken“
Müssen Sie auch nicht. Wer drei Anfragen pro Woche bekommt, sieht am Telefon, ob es läuft.
Aber einmal im Monat zehn Minuten würd ich mir nehmen. Sonst zahlen Sie für eine Website und für Anzeigen, ohne zu wissen, was davon wirkt. Im Tarif „Anfragen“ ist dafür ein monatliches Reporting enthalten.
Quellen
- Google Analytics-Hilfe: GA4: Interaktions- und Absprungrate, abgerufen am 8. Oktober 2026
- Google Analytics-Hilfe: Analytics-Dimensionen und -Messwerte, abgerufen am 8. Oktober 2026
- Rechtsinformationssystem des Bundes: Telekommunikationsgesetz 2021, § 165 Abs. 3, abgerufen am 8. Oktober 2026
- Datenschutzerklärung von web-focus.at, Abschnitt „Google Analytics“, Stand Oktober 2026, siehe Datenschutzerklärung