Der Unterschied in zwei Sätzen
Die Frage „SEO oder Google Ads?“ kommt meistens dann, wenn das Telefon zu wenig läutet. Verständlich. Nur ist es eigentlich keine Entweder-oder-Frage.
Bei Google Ads mieten Sie einen Platz ganz oben. Solange Sie zahlen, stehen Sie dort. Bei SEO bauen Sie sich den Platz. Das dauert, aber er gehört dann Ihnen.
Ich vergleiche das gern mit einem Geschäftslokal. Ads ist der Stand am Christkindlmarkt: sofort Laufkundschaft, aber die Standmiete läuft. SEO ist das eigene Lokal in guter Lage. Bis es eingeführt ist, vergeht Zeit, dafür kommen die Leute dann von selbst.
SEO und Google Ads im Vergleich
| Punkt | SEO | Google Ads |
|---|---|---|
| Wirkt ab | laut Google meist nach 4 bis 12 Monaten | dem ersten Tag der Kampagne |
| Kosten pro Besucher | keine | pro Klick, je nach Suchbegriff |
| Wenn Sie aufhören | Rankings bleiben eine Zeit lang | Besucher sind sofort weg |
| Planbarkeit | schwer vorherzusagen | Budget legen Sie selbst fest |
| Preis bei Web Focus | ab 260 € pro Monat im Website-Abo „Anfragen“ | 449 € pro Monat plus 4 % vom Werbebudget |
Das Werbebudget bei Google Ads geht direkt an Google und kommt zur Betreuung dazu. Wie sich das zusammensetzt, steht im Artikel Was kostet Google Ads?.
Wann Google Ads der richtige Start ist
Die Website ist neu: Google kennt sie noch nicht. Bis SEO greift, vergehen Monate. Mit Ads überbrücken Sie die Zeit.
Sie brauchen jetzt Aufträge: Ein freier Monat im Kalender, eine neue Leistung, ein zweiter Standort.
Saisongeschäft: Klimaanlagen im Juni, Heizungsservice im September. Da hilft kein Ranking, das im Dezember kommt.
Sie wollen testen: Mit Ads sehen Sie in wenigen Wochen, welche Suchbegriffe wirklich Anfragen bringen. Das Wissen können Sie dann für SEO verwenden.
Den letzten Punkt finde ich am spannendsten. Viele optimieren ein Jahr lang auf einen Begriff, bei dem dann keiner anruft. Mit Ads hätte man das nach einem Monat gewusst.
Wann SEO die bessere Investition ist
Sie planen in Jahren: Eine gute Leistungsseite bringt auch 2028 noch Besucher.
Die Klickpreise in Ihrer Branche sind hoch: Dann wird jeder Besucher, den Sie nicht bezahlen müssen, richtig wertvoll.
Ihre Kunden recherchieren lang: Wer eine Küche oder eine Steuerberatung sucht, liest sich ein. Dort gewinnen Seiten mit guten Antworten.
Lokale Suche: Bei „Tischler in der Nähe“ zählt das Google Unternehmensprofil mehr als jede Anzeige. Mehr dazu im Artikel Lokale SEO.
Die Reihenfolge, die ich empfehle
Für den Anfang reicht meistens folgender Ablauf. Erst die Website in Ordnung bringen, dann Ads einschalten, parallel SEO aufbauen, und die Ads zurückfahren, sobald die Seiten von selbst ranken.
Schritt 1: Website und Google-Profil sauber aufsetzen. Ohne das verbrennt jede Anzeige Geld.
Schritt 2: Mit einem kleinen Ads-Budget starten und messen, welche Begriffe Anfragen bringen.
Schritt 3: Für genau diese Begriffe gute Seiten bauen.
Schritt 4: Nach einigen Monaten prüfen, wo Sie schon ohne Anzeige oben stehen, und das Budget dort herausnehmen.
Eine Beispielrechnung für Google Ads
Damit das nicht so abstrakt bleibt, rechnen wir einmal. Nehmen wir an, Sie geben 1.000 € im Monat für Anzeigen aus.
Werbebudget: 1.000 €, das geht direkt an Google.
Betreuung: 449 € plus 4 % vom Budget, also 489 €.
Zusammen: 1.489 € pro Monat, zuzüglich USt.
Bei 2 € pro Klick: 500 Besucher auf Ihrer Seite.
Wenn 5 von 100 anfragen: 25 Anfragen, also rund 60 € pro Anfrage.
Ob 60 € pro Anfrage viel oder wenig sind, hängt davon ab, was Sie verkaufen. Für einen Dachdecker ist das geschenkt. Für jemanden, der Schlüssel nachmacht, geht es sich nie aus.
Bei SEO gibt es diese Rechnung nicht so sauber. Sie zahlen einen fixen Betrag, und die Besucher kosten nix extra. Im ersten halben Jahr ist die Anfrage dadurch teuer, weil wenig kommt. Im dritten Jahr ist sie billig, weil die Seiten laufen. Man muss halt den Atem haben.
Der dritte Weg, den fast alle vergessen
Zwischen SEO und Ads gibt es noch was, und das kostet nix: das Google Unternehmensprofil. Bei Suchen mit Ortsbezug steht über den normalen Ergebnissen oft die Karte mit drei Betrieben.
Für einen lokalen Betrieb ist das der schnellste Hebel überhaupt. Profil vollständig ausfüllen, Fotos rein, Bewertungen sammeln. Das wirkt oft schneller als SEO auf der Website und kostet keinen Cent pro Klick.
Bevor Sie also über SEO oder Ads nachdenken: Schauen Sie, ob Ihr Profil in Ordnung ist. Wie das geht, steht im Artikel Google Unternehmensprofil erstellen und pflegen.
Was zu welchem Betrieb passt
Notdienst, Schlüsseldienst, Rohrbruch: Der Kunde sucht jetzt und ruft den Ersten an. Anzeigen und Profil.
Küchen, Bäder, Zubauten: Der Kunde vergleicht wochenlang. Gute Seiten mit Beispielen und Preisen, also SEO.
Saisongeschäft: Anzeigen genau in den Wochen, in denen gesucht wird. Den Rest des Jahres ausschalten.
Neu gegründet: Profil sofort, Anzeigen für die ersten Monate, SEO von Anfang an mitlaufen lassen.
Seit zwanzig Jahren am Ort: Sie haben einen Namen. SEO und Profil, Anzeigen nur für neue Leistungen.
Drei Fehler bei der Entscheidung
Nur Anzeigen, für immer: Das funktioniert, solange das Budget da ist. Sobald Sie pausieren, ist es am nächsten Tag still. Ohne eigene Rankings sind Sie abhängig.
Nur SEO und nach acht Wochen aufgeben: In acht Wochen passiert bei SEO fast nix. Wer da abbricht, hat das Geld wirklich verbrannt.
Nix messen: Wenn Sie nicht wissen, ob ein Anruf von der Anzeige, von Google oder vom Nachbarn kommt, können Sie auch nix entscheiden. Fragen Sie zumindest jeden neuen Kunden, wie er Sie gefunden hat. Das kostet einen Satz.
„Ads ist doch rausgeschmissenes Geld“
Das höre ich oft, meistens von Leuten, die es einmal selbst probiert haben. 300 € aufgeladen, zwei Wochen gewartet, nix passiert. Kenn ich.
In fast allen Fällen lag es nicht an Google Ads. Die Anzeige hat auf die Startseite geführt, die Begriffe waren zu breit, und gemessen wurde gar nix. Dann ist es wirklich rausgeschmissenes Geld. Mit einer ordentlichen Landingpage und Conversion-Tracking schaut die Rechnung anders aus.
Und SEO ist auch nicht gratis, nur weil kein Klickpreis draufsteht. Sie zahlen mit Zeit oder mit Betreuung. Beides hat seinen Platz.
Quellen
- Google Search Central: Benötigst du einen SEO-Experten?, abgerufen am 1. September 2026
- Google, Hilfe zu Google Ads: Tagesbudget und Abrechnung, abgerufen am 1. September 2026
- Preise von Web Focus: Stand Oktober 2026, siehe Google Ads und SEO Betreuung